Oft sind es die Details, die uns Sammlern an Luxusuhren Freude bereiten. Die kleinen Dinge, die durch ihre perfekte Verarbeitung exquisite Schönheit verkörpern und nicht selten von alter Handwerkskunst zeugen. Ein guillochiertes Zifferblatt, applizierte Indizes aus feinsten Materialien – oder kunstvoll geformte Zeiger von zeitloser Eleganz. Letztere sind eine Wissenschaft für sich, der wir uns im ALTHERR-Lexikon der Zeigerarten einmal ausführlicher widmen.
Zeiger sind nämlich nicht gleich Zeiger. Es gibt sie in unterschiedlichen Formen und nicht selten prägen sie das Design einer Uhr maßgeblich. Einige Zeigerarten werden von uns sogar direkt mit konkreten Marken und Modellen in Verbindung gebracht. Das Zeiger für mechanische Uhren unabdingbar sind, steht außer Frage. Wie sonst sollen wir die Zeit vom Zifferblatt ablesen? Spannend wird es allerdings, wenn wir die verschiedenen Zeiger unserer Uhren beim Namen nennen wollen. Ich gebe zu: Als ich neulich einen Blick auf meine Sammlung geworfen habe, ist mir das nicht vollends gelungen. So bin ich auch auf die Idee zu diesem Beitrag gekommen, in dem wir uns bekannte und weniger bekannte Zeigerarten einmal genauer anschauen. Legen wir los und starten zum Warmwerden mit einem absoluten Klassiker.
Mercedes-Zeiger
Der Mercedes-Zeiger ist untrennbar mit der Marke ROLEX verbunden. Mit dem gleichnamigen Automobilhersteller hat er dagegen nichts zu tun, auch wenn der Stern an der Spitze darauf hindeuten könnte. Um die einfache Ablesbarkeit für Taucher und Sportler zu gewährleisten, verkürzte ROLEX zunächst den Stundenzeiger und stattete ihn obendrein mit einer kreisförmigen Fläche aus.
Mit Radium und Tritium wurde zur damaligen Zeit jedoch Leuchtmasse verwendet, die flüssig aufgetragen werden musste und wegen der verhältnismäßig großen Fläche des Kreises beim Aushärten nun Risse bekam. ROLEX löste das Problem mit der Aufteilung des Kreises in drei symmetrische Flächen. Es war die Geburtsstunde des Mercedes-Zeigers. Neben der Submariner kommt er unter anderem auch bei den Explorer- und GMT-Master-Modellen zum Einsatz.
Breguet-Zeiger
Der Breguet-Zeiger zeichnet sich durch ein Loch an der Spitze aus und gilt als sehr elegant. Benannt ist er nach dem Schweizer Uhrmacher Abraham Louis Brequet, auf den diese Zeigerart zurückzuführen ist und der im 18. Jahrhundert lebte. Dass ein Zeiger nach dem entsprechenden Uhrmacher, der ihn erschaffen hat, oder seiner Form benannt ist, stellt übrigens eine Regel dar, die uns noch öfter begegnen wird.
Wie eng die Verbindung zwischen der bis heute bestehenden Uhrenmanufaktur Breguet und dem gleichnamigen Zeiger ist, zeigt die Tatsache, dass dieser mittlerweile auch das Firmenlogo der Marke symbolisiert. Neben Breguet wird die Zeigerart beispielsweise auch von Cartier eingesetzt und sorgt insbesondere bei Dressuhren für ein gediegenes Design, das schöner kaum sein könnte.
Dauphine-Zeiger
Sehr beliebt in der Uhrenindustrie ist der Dauphine-Zeiger. Ihn zeichnet aus, dass er zu beiden Seiten spitz zuläuft und das kurze, breite Ende über die Zeigerfixierung in der Mitte des Zifferblattes hinausreicht. Die Form gleicht der einer Raute und nicht selten verfügt der Dauphine-Zeiger über eine gut sichtbare Linie in der Mitte. Das ist allerdings kein Muss, wie Grand Seiko erst kürzlich wieder gezeigt hat.
Bei der gerade erst vorgestellten und limitierten SBGA497 setzt die japanische Manufaktur, wie bei vielen anderen Modellen auch, ebenfalls auf Dauphine-Zeiger. Allerdings sind diese abgeschrägt und verfügen über keine Linie in der Mitte. Dafür werden die Kanten mit der hauseigenen Zaratsu-Politur veredelt und überzeugen durch einen unverwechselbaren Look, der eine Grand Seiko erst zu einer Grand Seiko macht.
Snowflake-Zeiger
Während die Mercedes-Zeiger ein Synonym für ROLEX sind, setzt die Schwestermarke TUDOR fast ausnahmslos auf Snowflake-Zeiger. Wie es der Name schon verrät, sind diese der Form einer Schneeflocke nachempfunden und spalten mit ihrem markanten Design ganz nebenbei auch die Uhrencommunity in zwei Lager. Manche lieben den Snowflake-Zeiger und manche hassen ihn. Eine Daseinsberechtigung hat er alleine schon dadurch, dass er polarisiert.
Bei TUDOR kam der Snowflake-Zeiger einst schon in alten Submariner-Modellen zum Einsatz. Heute bestimmt er noch immer maßgeblich das Design der Black Bay– und Pelagos-Kollektionen. Die Pelagos 39 (s. Foto) ist da nur eines von zahlreichen Beispielen. Doch auch Longines verwendet den Snowflake-Zeiger bei der HydroConquest in einer leicht angepassten Form.
Kathedral-Zeiger
Kathedral-Zeiger sind von der gotischen Architektur inspiriert und sollen durch ihre Form einer Kathedrale und ihren Fenstern ähneln. Zumeist besitzen sie ein oder sogar zwei Querbalken, sowie eine Hauptverzierung, die aus zwei Ellipsen und einer kleinen Raute in der Mitte besteht. Das Ende ist zugleich spitz wie eine Spritze. Kathedral-Zeiger gibt es allerdings in verschiedenen Ausprägungen, sodass sie sich teils deutlich voneinander unterscheiden.
Sie sind zudem aufwendig in der Herstellung und werden meist bei vintage- und militärisch geprägten Uhren eingesetzt. So auch bei der Oris Big Crown Pointer Date (s. Foto). Im Falle der Bronze-Version sind die Kathedral-Zeiger passend zum braunen Zifferblatt gestaltet und in ihrem roségoldenen Farbton wunderschön anzusehen. Da macht das Ablesen der Uhrzeit doch gleich doppelt Spaß.
Pfeil-Zeiger
Ein Pfeil-Zeiger gleicht, seinem Namen entsprechend, einem Pfeil, der an der Spitze positioniert ist. Das markante Designelement dient in der Regel dazu, die Ablesbarkeit insbesondere bei Taucheruhren zu verbessern. Damit das auch bei Dunkelheit und unter Wasser gelingt, ist der Pfeil zumeist mit Super-LumiNova ausgestattet, die ihn zum Leuchten bringt. Ein Pfeil-Zeiger kann in der Breite variieren und wird je nach Hersteller unterschiedlich geformt.
Zum Einsatz kommt er beispielsweise bei der Breitling Superocean Heritage (s. Foto). Bei diesem Modell ist der Pfeil extrem ausgeprägt, sodass die Zeit tatsächlich sehr leicht sekundengenau abgelesen werden kann. Auffällig ist bei dieser Variante außerdem, dass der schmalere Teil des Zeigers ohne Leuchtmasse auskommt. Das ist nicht immer der Fall und deshalb eine individuelle Entscheidung des Herstellers.
Schwert-Zeiger
Den beliebten Schwert-Zeiger gibt es in verschiedenen Ausführungen. Mal ist er schmal und kommt ohne Leuchtmasse aus, dann wieder ist er breiter und mit Super-LumiNova ausgestattet. Was alle Varianten eint ist die Tatsache, dass ein Schwert-Zeiger zunächst breiter wird und im letzten Teil zum Ende hin spitz zuläuft. Seine Schlichtheit trägt zu einer guten Ablesbarkeit bei und macht ihn extrem vielseitig. Schwert-Zeiger können problemlos bei Taucher- und Dressuhren Verwendung finden.
Ein prominentes Beispiel, bei dem elegante Schwertzeiger ohne Leuchtmasse zum Einsatz kommen, ist die Cartier Tank. Genauso gut könnte an dieser Stelle aber auch der Name der Omega Seamaster Diver 300M fallen. Sie ist wiederum mit skelettierten Schwert-Zeigern ausgestattet, die obendrein auch noch Leuchtmasse besitzen. So oder so, eine gute Figur machen sie bei beiden Modellen.
Feuille-Zeiger
Feuille-Zeiger, oder auch Blatt-Zeiger genannt, haben eine sehr elegante Form, die hervorragend zu Dressuhren passt. Im Vergleich zu anderen Zeigerarten weisen sie keine Kanten auf und sind von ihrem Profil her grazil. Der Anfang und das Ende eines Feuille-Zeigers verjüngen sich, während er zur Mitte hin breiter wird. Dass hier die Schönheit der Natur als Inspiration gedient hat, ist an der flüssigen Linienführung sofort zu erkennen.
Eine Uhr, die Feuille-Zeiger verwendet, ist die IWC Portugieser Automatic 40. Sie bilden zusammen mit den applizierten arabischen Ziffern auf dem kupferfarbenen Blatt eine tolle Einheit, die von zeitloser Eleganz geprägt ist. Leuchtmasse sucht man hier vergebens, doch würde diese einen solch gelungenen Anblick höchstwahrscheinlich sowieso nur stören.
Stab-Zeiger
Der Stab-Zeiger, im Französischen auch Baton-Zeiger genannt, ist extrem schlicht und unaufgeregt. Bei ihm steht die Einfachheit im Vordergrund, denn viel Aufsehen möchte er nicht erregen. Es gibt den Stab-Zeiger in vielen Varianten, was auch daran liegen dürfte, dass er durch seine lange und dünne Form grundsätzlich sowohl zu Dress-, als auch zu Sportuhren passt und immer eine gute Figur macht.
Eine extrem klassische Variante des Stab-Zeigers kommt bei der NOMOS Tangente zum Einsatz. Das ist insofern ein gutes Match, als das er auch noch hervorragend zum Bauhaus-Design der Uhr passt. Auf eine sportlichere Art von Stab-Zeigern mit Leuchtmasse setzt derweil die ZENITH Defy Skyline. Auch bei diesem Zeitmesser integriert er sich ausgesprochen gut in das Gesamtdesign.
Lanzen-Zeiger
Der Lanzen-Zeiger verbreitert sich leicht und wird zum Ende hin immer spitzer. Aufgrund dieser Tatsache hat er eine gewisse Ähnlichkeit zu der Stichwaffe, die ihm seinen Namen gegeben hat. Dass Lanzen-Zeiger oft bei Fliegeruhren benutzt werden, passt aufgrund des Werkzeug-Charakters dieser Zeitmesser gut. So entsteht ein ganzheitlicher Look, der dennoch nicht vom Wesentlichen ablenkt: dem Ablesen der Uhrzeit.
IWC setzt neben der Big Pilot auch bei allen anderen Fliegeruhren aus dem eigenen Haus auf Lanzen-Zeiger. Insofern ist auch diese Zeigerart in gewisser Weise ein Alleinstellungsmerkmal der Manufaktur aus Schaffhausen. Der Vollständigkeit halber gilt es jedoch zu sagen, dass auch andere Marken, die Fliegeruhren herstellen, an Lanzen-Zeigern Gefallen gefunden haben.
Zehn Zeigerarten habe ich dir in diesem Beitrag vorgestellt. Sei ehrlich, kanntest du sie alle? Schreib mir deine Meinung unter diesen Beitrag in die Kommentare. Natürlich ist die Liste längst noch nicht vollständig. Wenn du Lust auf einen zweiten Teil hast, in dem ich dir noch einmal einige ziemlich seltene Zeigerarten präsentiere, schreib mir auch das gerne in die Kommentare. Ich freue mich von dir zu lesen!











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