Kaum ein Uhrenhersteller schafft es so sehr, die atemberaubendsten Naturschauspiele in den Uhren widerzuspiegeln, wie der japanische Uhrenhersteller Grand Seiko. Dies hat neben der beeindruckenden Verarbeitung, welche auf höchstem Niveau passiert, auch mein Interesse geweckt und ich habe mir das ein oder andere Modell ans Handgelenk gelegt.
Welche Modelle ich mir genauer angesehen habe, ob Grand Seiko gegenüber der Konkurrenz aus der Schweiz punkten konnte und ob wieso ausgerechnet die SBGJ277 es geschafft hat, meine eigene Sammlung zu erweitern, erfährst du in diesem Beitrag. Lehn dich also zurück und begleite mich auf eine spannende Reise in den fernen Osten, welche nicht nur vom Shunbun erzählt, sondern auch vom Suwa-See oder den Hotaka-Bergen.
Status quo - Warum überhaupt Grand Seiko?
Während sich mein Geschmack uhrentechnisch über die Jahre stets weiterentwickelt hat, war mir bereits von Beginn an eines klar: Ich möchte eine möglichst vielfältige Uhrensammlung. Diese soll nicht nur eine möglichst hohe Bandbreite an Gehäuseformen und Farben mit sich bringen, sondern auch verschiedenste Funktionen und Uhrenhersteller abdecken.
Die Sammlungsgröße soll sich am Ende des Tages auf 9 Modelle fokussieren, doch warum genau 9 Modelle? Dies ist ganz einfach zu beantworten. Einerseits soll die Sammlung nicht nur die Möglichkeit bieten, jeden Tag zu wechseln, sondern andererseits auch eine 8er-Uhrenbox ausfüllen. Das soll auch dann der Fall sein, wenn sich ein Modell auf Servicekur befindet. Daher die festgelegte Anzahl auf 9 Modelle.
Welche soll es werden? Über die Qual der Wahl
Nachdem sich der fixierte Zielzustand der Uhrensammlung sehr ambitioniert zeigt, sorgt der aktuelle Status quo eher für Ernüchterung. Wenige Modelle, welche sich ausschließlich auf Hersteller aus der Schweiz fokussieren. Dies galt es aufzulockern und so sollte mein nächstes Modell das Handwerk aus Fernost abdecken.
Schnell fiel der Fokus auf den japanischen Hersteller Grand Seiko. Dieser bietet mittlerweile jedoch fünf verschiedene Kollektionen mit zahlreichen Modellen an – es schien also nach der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Dass die Masterpiece-Kollektion, welche eher Kunstwerke mit sich bringt und preislich weit den möglichen Rahmen sprengt, die potenzielle Auswahl bereits etwas eingeschränkt hat, war in diesem Fall sehr willkommen.
Die zweite Kollektion, welche sich recht schnell aus der Auswahl potenzieller Kandidaten verabschieden musste, war die Elegance-Kollektion. Diese bietet zwar viele interessante Modelle, wie die SBGY007 Omiwatari, kam jedoch nicht infrage, da das nächste Modell eher sportlich sein sollte. Ich habe zwar eingangs erwähnt, dass die zukünftige Sammlung möglichst breit aufgestellt sein soll, sehe hier jedoch nur ein bis maximal zwei mögliche Dresswatches. Dies spiegelt auch meinen Kleidungsstil wider, da ich mich vorrangig sportlich kleide. Darum soll es in diesem Beitrag aber nicht gehen, also wieder zurück zu den Uhren. 😉
Zugegebenermaßen erschien mir an dieser Stelle die Suche nach der Nadel im Heuhaufen etwas einfacher, als die passende Grand Seiko für mich zu finden. Mit einer leicht getrübten Stimmung habe ich meinen Blick also auf die Evolution-9-Reihe gerichtet. Diese schien zu Beginn sehr vielversprechend – sportliche Modelle mit dem legendären Evolution-9-Gehäuse, abgerundet mit den spannenden Zifferblättern, schienen sehr vielversprechend und so wanderten meine Blicke doch recht schnell zur Grand Seiko SLGH005 White Birch und zum blauen Pendant der Lake Suwa.
Leider verschwand die rosarote Brille recht schnell, als ich meine Gedanken sortiert habe und mich an vergangene Modelle meiner Kollektion erinnerte. Ich hatte nämlich bereits die limitierte Grand Seiko SLGA007, welche leider aufgrund eines anderen Modells die Sammlung wieder verlassen musste. Die SLGA007 war nicht nur mit dem Evolution-9-Gehäuse ausgestattet, sondern auch vom Suwa-See inspiriert – ein Neukauf in dieser Kollektion erschien mir also nicht sehr zielführend aufgrund vergangener Erfahrungen. Die Suche nach meiner Grand Seiko ging also weiter.
Ein neuer Frühling mit der Grand Seiko Shunbun?
Nach meinem Moment der Einsichtigkeit und einer kurzen Trauerphase ging die Suche nach der passenden japanischen Uhr weiter und so verschlug es mich zur Heritage-Kollektion. Bereits seit geraumer Zeit hatte ich meinen Blick auf die von vielen geschätzte Shunbun geworfen und das Interesse an ihr war nach wie vor da, doch es gab auch nach wie vor Zweifel an ihr: Ist sie vielleicht zu elegant? Wie intensiv ist der rosarote Farbton im Alltag? Wie ist das Gefühl am Handgelenk durch das verwendete Titan?
Dies waren nur einige wenige von vielen Fragen, welche mir durch den Kopf geschossen sind – etwaige Zweifel konnte man also nur durch den Besuch beim Konzessionär aus dem Weg räumen. Es ging also schlussendlich zur Anprobe …
Nach einem doch etwas längeren und intensiven Gespräch mit der Verkäuferin, in dem ich ihr nicht nur meine Faszination für Grand Seiko beschrieben habe, sondern auch mein „Leid“ bezüglich der für mich passenden Grand Seiko kundgetan habe, machte sich diese mit einem „Einen kleinen Moment bitte“ auf den Weg zur gewünschten Shunbun. Nach ein paar Minuten voller Aufregung lag die Grand Seiko Shunbun nicht nur vor mir, sondern wanderte auch im Handumdrehen ans Handgelenk.
Ein zartes Rosa, welches je nach Lichteinfall in einen dezenten Silberton wandelte, traf meine Blicke. Neben dem markanten Farbton fiel mir auch schnell die Gangreserveanzeige ins Auge, da sich diese bei dem Modell an der Vorderseite befindet. Obwohl dies von sehr vielen als harmoniebrechend empfunden wird, empfand ich es doch als durchaus praktisches Feature. Neben dem spannenden Zifferblattdesign schmiegte sich auch das federleichte Titangehäuse an mein Handgelenk. Verglichen mit meinen anderen Stahlmodellen ist dies ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Obwohl mich die Shunbun sehr faszinierte, schaffte sie es aus irgendeinem Grund nicht, mich zu überzeugen – dies merkte auch schnell die Verkäuferin und es folgte ein „Warten Sie, ich glaube, ich habe da etwas, was Ihnen besser gefallen könnte“. Voller Neugierde wartete ich also auf das nächste Modell. Konnte es überhaupt noch eine passende Grand Seiko für mich geben? Schließlich hatte ich die verschiedensten Kollektionen für mich schon ausgeklammert bzw. hatte mein Favorit auch nicht wirklich für Licht am Ende des Tunnels gesorgt. Die Spannung stieg ins Unermessliche …
Grand Seiko SBGJ277 „Snowy Valley“ - der Underdog aus Japan
„Sie sagten doch, dass Sie eher zu größeren Uhren tendieren und Ihre Sammlung mit etwas Besonderem erweitern möchten.“ Mit diesen Worten kehrte die Verkäuferin von der Vitrine zurück und brachte mir ein Modell, welchem ich bis dato eher weniger Aufmerksamkeit geschenkt hatte – die Grand Seiko SBGJ277. Diese hatte im Deutschen den Beinamen „Schneetal“ und wurde inspiriert von den japanischen Berglandschaften, welche noch von den letzten Schneeresten geziert werden. Dies wird deutlich, wenn man sich das Zifferblatt der Uhr genauer ansieht – ein leicht silbriges Weiß, welches je nach Lichteinstrahlung changiert, fesselt die Blicke an sich.
Sportliche Uhr mit markanten Proportionen
Nachdem ich meine Blicke vom Schneetal abwenden konnte, widmete ich mich den Proportionen bzw. der Haptik der Uhr. Auf dem Papier wirkten diese doch etwas einschüchternd. 44,2 Millimeter Gehäusedurchmesser, ein Lug-to-Lug-Abstand von 50,6 Millimetern und eine Höhe von 14,4 Millimetern deuteten auf eine Uhr hin, die etwas zu groß für mein Handgelenk ist.
Dieser Eindruck festigte sich jedoch nicht und ich empfand die Uhr als sehr gut tragbar und auch passend für meinen persönlichen Geschmack. Dies ist vorrangig dem Gehäusedesign zu verdanken, da die Hörner der Uhr eher abgerundet sind und sich so an das Handgelenk schmiegen. Auch das Design des Bandes unterstützt dieses Gefühl durch die schnell abfallenden Endglieder.
Die anfänglichen Sorgen über die doch großen Proportionen des Modells waren nach wenigen Sekunden bereits Schnee von gestern. Aufgrund der bereits doch markanten Höhe hat man sich bei diesem Modell für einen massiven Gehäuseboden ohne Sichtfenster entschieden. Dies verwehrt dem Träger zwar den Blick auf das Uhrwerk, baut die Uhr jedoch nicht unnötig noch höher auf. Meiner Meinung nach ist der Massivboden bei diesem Modell durchaus die passendere Wahl seitens Grand Seiko gewesen.
Neben den Proportionen überzeugt das Gehäuse der Uhr auch mit einem beeindruckenden Wechselspiel aus polierten und satinierten Elementen. Diese schaffen es, den sportlichen Look der Uhr etwas aufzuweichen und sie nicht zu stark „toolig“ wirken zu lassen. Wie es sich für eine Sportuhr gehört, ist die Uhr bis zu einer Tiefe von 200 Metern wasserdicht. Ideal also, um vor den Strapazen des Alltags gewappnet zu sein. Als Material hat Grand Seiko bei diesem Modell zu Edelstahl gegriffen – ein weiterer Pluspunkt auf meiner persönlichen Checkliste.
Hi-Beat trifft auf GMT-Funktion
Neben den zuvor beschriebenen äußerlichen Werten schaffte es die Grand Seiko auch mit den inneren Werten zu überzeugen. So hat der japanische Uhrenhersteller bei diesem Modell das Kaliber 9S86 verbaut. Im Gegensatz zur Shunbun handelt es sich bei diesem Werk um ein sogenanntes Hi-Beat-Werk. Dieses arbeitet mit einer Frequenz von 36.000 Halbschwingungen pro Stunde, was 10 Schlägen in der Sekunde entspricht. Ein herkömmliches Uhrwerk arbeitet im Vergleich hierzu mit einer Frequenz von 28.000 Halbschwingungen bzw. 8 Schlägen in der Sekunde. Dies wird vor allem dann deutlich, wenn man den Sekundenzeiger etwas genauer betrachtet, da dieser förmlich über das Blatt gleitet und fast ruckelfrei erscheint.
Neben der erhöhten Frequenz bietet die Grand Seiko auch die Anzeige einer zweiten bzw. dritten Zeitzone. Während sich die zweite Zeitzone mithilfe des grünen GMT-Zeigers und der inneren 24-Stunden-Skala ablesen lässt, kann die Lünette zur Anzeige einer weiteren Zeitzone beidseitig verdreht werden. Die Haptik beim Verdrehen selbst wirkt durchaus scharf und die Lünette selbst ist durch die grobe äußere Zahnung auch sehr gut greifbar. Während die innere Skalierung die ungeraden Stunden anzeigt, finden sich auf der Lünette mit Saphirglaseinlage die geraden Stunden.
Zur Unterscheidung der Tag- bzw. Nachtstunden ist die Lünette zweifarbig gestaltet. Während der größere Teil von 06:30 Uhr bis 17:30 Uhr in Weiß gehalten ist, wurde der kleinere Teil der Lünette in einem satten Grünton gehalten. Neben der GMT-Funktion verfügt die Uhr auch noch über eine Datumsanzeige, welche sich in einer Linie mit der verbauten Krone auf der 4-Uhr-Position befindet. Die Gangreserve der Uhr beträgt 55 Stunden und ist somit durchaus ausreichend, um sie für ein bis zwei Tage vom Handgelenk zu geben, ohne diese erneut aufziehen zu müssen.
Die Bepreisung der Grand Seiko SBGJ277
Nach den unzähligen Eindrücken am Handgelenk entschied ich mich kurzerhand, nach der Bepreisung des Modells zu fragen. Innerlich hoffte ich, dass sich dieses Modell preislich unter den Uhren aus der Evolution-9-Reihe befand, da diese mittlerweile über 10.000,- € angesiedelt sind. Dass sich das Modell preislich in der Nähe der aufgerufenen 7.500,- € für die Shunbun befand, hielt ich in diesem Moment auch für eher unwahrscheinlich.
So ließ es mich umso mehr staunen, als ich hörte, dass sich das Modell aktuell bei einem Listenpreis von 8.000,- € befindet. Ich wollte in diesem Moment jedoch keine voreiligen Entschlüsse ziehen, bedankte mich für das Zeigen der Modelle und begab mich auf den Weg nach Hause. Von nun an galt es, meine Gedanken zu schlichten – war es die für mich passende Uhr?
Mein Fazit zur Grand Seiko „Snowy Valley“
Mit der Grand Seiko SBGJ277 „Snowy Valley“ oder zu Deutsch „Schneetal“ bietet der japanische Uhrenhersteller ein wahres Kraftpaket an Uhr. GMT-Funktion zur Anzeige mehrerer Zeitzonen, Hi-Beat-Werk und die Kombination aus polierten und satinierten Elementen am Edelstahlgehäuse lassen kaum einen Wunsch offen. Leider ist die Konkurrenz im eigenen Haus jedoch sehr stark und das Modell verweilt zu Unrecht im Schatten von bekannteren Modellen aus dem Hause Grand Seiko. Es bedarf also durchaus etwas Mut, die eigenen Blicke von den bekannten Modellen abzuwenden und sich in neue Gewässer zu begeben.
Dies war auch bei mir der Fall und ich fokussierte mich anfangs zu sehr auf die bekannten Modelle von Grand Seiko. Umso mehr überraschte es mich, als ich die Grand Seiko „Snowy Valley“ das erste Mal am Handgelenk hatte. So sorgte diese nicht nur für kurzfristiges Staunen, sondern fesselte auch langfristig mein Interesse an der Uhr. Wie die ganze Geschichte letztendlich ausgegangen ist, siehst du an diesen Bildern der Uhr an meinem Handgelenk.
Jetzt bist du dran: Wie gefällt dir die Grand Seiko SBGJ277 „Snowy Valley“? Hast du vielleicht auch ein Modell der Sport-Kollektion in deiner Sammlung? Schreib’s mir gerne in die Kommentare – ich bin gespannt auf deine Meinung!




