Autor: Ed, auch bekannt als @exitwatch auf Instagram

Wie gewonnen, so zerronnen

1969 ein außergewöhnliches Jahr, in dem viel passiert ist. Apollo 11 landete auf dem Mond, der Erstflug der Concorde und des Jumbo-Jets 747 wurden durchgeführt, die erste E-Mail wurde verschickt und damit war das Internet geboren. In diesem Jahr wurde auch das erste automatische Chronographenwerk von keinem Geringeren als Zenith lanciert. 

Ja, Zenith! Nicht Rolex, nicht Patek und schon gar nicht AP, sondern Zenith. Fun fact gleich zu Beginn: Ein El Primero war auch die Basis für das erste Automatik-Chronographenwerk von Rolex. Aber selbstverständlich erst 19 Jahre später als niemand mehr Automatikuhren brauchte. Wenn ihr mit dieser - ohne zu übertreiben - legendären Uhrenmarke nichts anfangen könnt, kann ich euch nur empfehlen, bitte lest weiter!

Wie aus dem Nichts wurde der Zenith El Primero der Öffentlichkeit präsentiert und war nicht nur das erste automatische Chronographenwerk, sondern bot auch eine Datumskomplikation, eine hohe Frequenz von 36.000 A/h, welche die Genauigkeit des Uhrwerks und der Messung verbesserte, einen Säulenradmechanismus und eine Gangreserve von ca. 52h. Leistung pur, die der Aufmerksamkeit von Omega, die im besagten Jahr gerade auf dem Mond ihre Speedmaster platzierte, sicherlich nicht entgangen ist. Ein Glück, dass man weit weg war. Die A384 war die erste Uhr, in der das El Primero verwendet wurde. Alles an dieser Uhr schreit nach Funktion und Geradlinigkeit, aber auch nach Präzision. Etwas, das man heutzutage nicht mehr einfach so findet. Das mach diese Uhr gerade heute so besonders für mich. Die A384 ist auch nicht einfach nur eine Neuauflage mit neuer Technik, nein! Zenith brachte tatsächlich ein altes Exemplar der A384 aus dem Museum und digitalisierte die gesamte Uhr, Komponente für Komponente, um sie so identisch wie nur irgendwie möglich neu zu gestalten. Dabei wurden drei wesentliche Änderungen vorgenommen: Saphirglas, die aktuelle Version des El Primero und ein durchsichtbarer Boden.

Das Ergebnis ist eine wirklich hervorragende 37-mm-Uhr. Oh nein, sie sieht nicht zu klein aus. Wegen des lackierten Panda-Zifferblatts und der Kissenform des Gehäuses hat die Uhr eine schöne Breite, aber dennoch flache Präsenz und ist am Lederband eine schöne Dresswatch mit einem 60er Flair. Zum Stahlband kommen wir später noch.

Nun, leider haben die kommenden 70er gezeigt, dass Zenith der Triumph mit dem El Primero vorerst nicht gewährt wurde.




Fallen und wieder aufstehen

Der Sieg von Zenith mit dem El Primero war leider nur von kurzer Dauer. Die Quarzkrise traf das Schweizer Unternehmen in Le Locle mit voller Wucht und eiskalt. Nur drei Jahre nach der ersten Präsentation wollte die Welt und die neuen Besitzer von Zenith nichts über das El Primero Kaliber wissen, Quarz war das Wort des Jahrzehnts. 

Wie so oft im Leben wird es zuerst schlimmer, viel schlimmer, bevor es besser wird. 1975 - und das ist kein Scherz - sollten auf Anordnung der damaligen Besitzer einer so genannten "Zenith Radio Corporation" alle Dokumente, noch vorhandene Uhrwerke und die Maschinen zur Herstellung des El Primero Kalibers und anderer mechanischer Uhrwerke vernichtet werden.

Und hier kommt ein Mann ins Spiel, der wahre Größe gezeigt hat: Charles Vermot. Zuerst versuchte er es mit der Vernunft und tat so, als ob dieser wahnsinnigen Anordnung irgendwie mit Vernunft begegnet werden könnte. Das scheiterte natürlich und Vermont beschloss Alles zu tun, um die Errungenschaft und das El Primero für die Nachwelt zu bewahren. Charles Vermot machte sich ausführliche Notizen über den Produktionsprozess und die zur Herstellung benötigten Maschinen. Welche Uhrwerke und Teile er auch immer retten konnte, er packte sie in Kisten und legte sie auf einem Dachboden in einem der Zenithgebäude schlafen, wo sie eines Tages wieder aufwachen würden.

Und dieser Tag kam! Langsam durch den Verkauf von Uhrwerken und Teilen an Walden Watches und Ebel kämpfte sich die Legende El Primero wieder nach oben. Als schließlich der langsam wachsende Mythos "Daytona" ein El Primero als Herz bekommen sollte, war die Rückkehr der Legende offiziell. Mitte der 80er Jahre begann Zenith wieder mechanische Chronographen in eigenen Uhren zu verbauen. Doch es gab damals ein Problem, wie sollte das Kaliber in Serie produziert werden, wenn alles zerstört war? Natürlich gab es den alten Dachboden, auf dem fast alles gelagert wurde, was man brauchte. Danke Charles Vermot, ohne Sie wäre ich nicht in der Lage dies zu schreiben und ohne Sie wären wir um einige krasse Uhren ärmer.

 

Das Design näher betrachtet 

Lasst uns jetzt einmal auf einige Details der A384 eingehen. Die Uhr hat ein schönes gewölbtes Saphireglass, welches das Licht verzerrt und am Rand bricht. Ich finde diesen dynamischen Übergang beim Lesen der Uhr einzigartig und es erfordert viel Know-How ein Saphirglas wie dieses zu polieren. Wenn ich an das Glas meiner Speedmaster denke, wo immer ein weißer, milchiger Rand vorhanden ist, muss ich sagen, dass Zenit hier Welten voraus ist. Das Gehäuse ist wunderschön geschliffen und unglaublich gut satiniert und poliert, genau wie man es von einem "Revival" aus den späten 60er Jahren erwarten würde. Aber mein persönliches Highlight ist das Zusammenspiel der Zeiger, Indizes und des Lichts, das auf sie fällt. Wegen der eckigen und kantigen Indizes werdet ihr immer ein leichtes Schimmern oder Glitzern bemerken, das von der Uhr herrührt und welches ihr unbedingt live sehen müsst. 

 

Die Totalisatoren haben sehr feine Ringe und die kleinen Zeiger sind weiß lackiert. Bei vielen anderen modernen Chronographen sind die Zeiger oft schwer abzulesen, weil sie das Licht nicht gut reflektieren. Bei der Zenith kann man jedoch immer die aktuell gestoppte Zeit ablesen und für eine filigrane 37-mm-Uhr ist dies äußerst bemerkenswert. Die Drücker sind schön glatt und unterstreichen den funktionalen Charakter der A384. Oh ja, stimmt, es gibt auch ein Datum. Bei dieser Uhr, nun, wer braucht das schon?




Die Rückansicht

Ich könnte nun mit technischen Details weitermachen und versuchen euch davon zu überzeugen, warum das El Primero-Uhrwerk so beeindruckend ist. Es hat eine Gangreserve von 50 Stunden, ist 50 ATM wasserdicht - die Uhr ist es, nicht das Uhrwerk -, macht seine Arbeit bei 36.000 A/h, besteht aus 278 Teilen, ist auf die Zehntelsekunde genau und was auch immer. Was spielt das für eine Rolle, wenn man die A 384 jeden Tag trägt? Um ehrlich zu sein: gar keine!

Aber worauf es wirklich ankommt, ist das Aufsetzen der Uhr morgens und Absetzten abends. Der Blick auf das Uhrwerk ist erstaunlich. Die Verarbeitung ist einfach eine Freude für das Auge: der Rotor mit dem Zenithstern in Kombination mit den Streifen ist nicht das letzte Highlight, das man erwarten kann. Die Aussage "Zenith El Primero - Manufaktur Le Locle" kann die Randnotiz zur Geschichte des Uhrwerks kaum verbergen. Zenith war noch nie wirklich weg, hat nur geschlafen, ist stolz auf seine Errungenschaften und zeigt dies verdammt deutlich. Man hätte wohl auch einfach "R.I.P. Quarz – We are Back" draufschreiben können. 

Was soll ich noch sagen? Ich liebe solche Details, genau wie die gebläuten Schrauben und das Säulenrad, die violetten Rubine und die goldgelben Zahnräder. Ohne eine große Rede zu halten, schaut es euch bitte einmal live an. 


Nur etwas für Kenner und Enthusiasten?

Das ist jetzt der letzte Abschnitt über die A384. Lasst uns also gleich zur Sache kommen: Die A384 ist eine besondere, einzigartige, für heutige Verhältnisse vielleicht seltsam aussehende Uhr. Kissenförmiges Gehäuse, 37 mm Durchmesser, gewölbtes Glas und ein El Primero 400 unter der Kuppel. Ein Datum, das die Symmetrie des Zifferblatts nicht stört und ein verdammt cooles Leiterarmband. Wenn ihr euch für dieses Design entscheidet, ist das schlecht oder Altbacken? Oh nein, das ist einfach das Beste an dieser Uhr. Eine Uhr für Kenner, Rennsportbegeisterte und Menschen mit einem Sinn für Nostalgie, wenn man es romantisch ausdrücken will. Man muss diese Uhr nur anziehen, um den Flair zu erleben, den sie ausdrückt. Und dieses Flair oder Spirit ist es, der dieser Uhr zu einem Revival gemacht hat: Geschichte.

Seien wir ehrlich, es gibt nur eine Handvoll Uhren, die wirklich historische Relevanz haben. Ihr könnt darauf wetten, dass der Name A384 nur von echten Enthusiasten erwähnt wird. Es hat mir viel Spaß gemacht, diese Uhr zu tragen und dieses Review für euch zu schreiben.

Kann ich diese Uhr empfehlen? Auf jeden Fall, die Qualität ist Spitzenklasse! Was das Design betrifft, so ist dieser mit dem El Primero 400 angetriebener Chronograph nicht für jedermann geeignet. Das Einzige, was hilft: anzuprobieren. Ich persönlich hätte auch nicht gedacht, dass ich mit dem A384 warm werden würde. Tja, falsch gedacht, jetzt mutiere ich wahrscheinlich zu einem El Primero-Fanboy.

 

Cheers, euer Ed!

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