Die Erfindung der Co-Axial Hemmung durch Meisteruhrmacher George Daniels revolutionierte den regulierenden Mechanismus der mechanischen Zeitmesser, was zu den erstklassigen Eigenschaften der hochmodernen Werke OMEGAs beiträgt.

In diesem Artikel wollen wir darauf eingehen, was die Co-Axial-Hemmung so besonders macht und was sie von der herkömmlichen Schweizer Ankerrad-Hemmung unterscheidet. 

 

Die Erfindung der Co-Axial-Hemmung

George Daniel (1926 - 2011) war ein Britischer Meisteruhrmacher und Buchautor. Daniels stammte aus armen Verhältnissen. Er fühlte sich schon zu mechanischen Uhren hingezogen und sie faszinierten ihn schon als Kind. Schon vor seinem 14. Geburtstags brachte er sich das Reparieren der beeindruckenden Zeitmesser selbst bei. Nach dem Verlassen der Schule mit 14 Jahren wollte er eine Uhrmacherlehre beginnen, konnte dies aber nicht finanzieren. 

Nach Ende des Krieges, zu dem er einberufen wurde, erlernte er die Uhrmacherei in Abendkursen und fand eine Anstellung als Uhrmacher. Später wurde er Geselle am “British horological institute” und  eröffnete daraufhin ein eigenes Uhrmachergeschäft in dem er alte Uhren restaurierte.

Sein großes Vorbild war Louis Breguet, was ihn dazu inspirierte eine eigene Taschenuhr zu konstruieren. Dieses erste EInzelstück, an dem er zwei Jahre arbeitete, verkaufte er an einen befreundeten Uhrensammler 1969 für £1,900. Eines der größten Probleme für ihn, war die Gangabweichung bei Temperaturschwankungen, die durch die Schmierung der Unruhehemmung entstand. Deswegen erfand er in den 1970er Jahren die Co-Axial-Hemmung, für die er 1980 das Patent anmeldete. 

Wie funktioniert die Co-Axial-Hemmung?

1994 überzeugt der Meisteruhrmacher George Daniels dann OMEGA von seiner großen Erfindung, die daraufhin die komplette Produktion umstellen und ab 1999 die erste in Serie produzierte Co-Axial-Hemmung in der OMEGA de Ville auf den Markt bringt. 

Um zu verstehen wie die Co-Axial-Hemmung im Vergleich zur Schweizer Ankerhemmung funktioniert, müssen wir uns nochmal die Funktionsweise mechanischer Uhren genau ansehen.

Eine Uhr mit Handaufzugswerk besteht aus Aufzug, Antrieb, Räderwerk, Hemmung, Unruh und und dem Zeigerwerk. Über das Drehen der Krone wird dem Aufzug Energie zugeführt, welche durch die Aufzugsfeder im Federhaus gespeichert wird. Die gespeicherte Energie wird dann an das Räderwerk abgegeben, welches die Zeiger mit verschiedenen Zahnrädern antreibt. Dass die Feder die Energie nicht auf einmal abgibt, bremst die Hemmung das Räderwerk ab.

Die Unruh ist der Taktgeber für das Abbremsen der Hemmung, die bei vielen Uhren 8 oder 6 mal pro Sekunde tickt. Die Spirale der Unruh wird über den Anker immer wieder angetippt, dass die Hemmung das Räderwerk abbremsen kann und so die Energie kontinuierlich über 40, 80 oder mehr Stunden, die Gangreserve, abgegeben werden kann.

Die Schweizer Ankerhemmung läuft abwechselnd gegen und mit dem Uhrzeigersinn. Das wiederum führt zu einem Energieverlust. Wohingegen bei der Co-Axial-Hemmung die Energie ausschließlich über seitliche oder laterale Impulse übertragen wird. Dadurch hat man kleinere Kontaktflächen, wodurch die Reibung deutlich reduziert wird. Diese Bewegung der Co-Axial-Hemmung läuft dadurch nur im Uhrzeigersinn und ist damit wesentlich effizienter. Das Prinzip kann man sich besser mit hilfe eines Videos von OMEGA vor Augen führen.

George Daniel hatte das Ziel, die Vorteile der Ankerhemmung mit denen der Chronometerhemmung zu verbinden. Die Ankerhemmung hat die Vorteile sicherer Selbstanlauf, Sicherheit vor Erschütterungen und eine geringe Gefahr von Doppelauslösungen, jedoch gab es den Nachteil von hoher Reibung und deswegen mehr Schmierung und kürzere Wartungsintervalle. Die Chronometerhemmung hat die Vorteile eines reibungsarmen Antriebes und der weitestgehenden Unabhängigkeit von Schmierung. Die Kombination dieser Vorteile der beiden Hemmungen erreichte George Daniels mit der Co-Axial-Hemmung. 

Was sind die Vorteile einer Co-Axial-Hemmung?

Welche Vorteile ergeben sich nun aus dieser Konstruktion? Die Idee Daniels’ war es dadurch die Reibung zwischen Ankerradzähnen und Ankerpaletten zu verringern und somit weniger Schmieröl im Werk zu benötigen. Weniger Schmierung bedeutet zum einen langsamere Alterung des Werkes, was wiederum die Wartungsintervalle bei OMEGA Uhren deutlich verlängert, zum anderen ist eine der größten Stärken der OMEGA Werke, dass sie durch den Hemmungsmechanismus eine extrem hohe Ganggenauigkeit hat.

Die Ganggenauigkeit ergibt sich aus höherer Gangstabilität und eine überaus hohe Präzision über lange Zeit. Diese hohe Ganggenauigkeit lässt sich OMEGA nicht nur von der COSC bestätigen, sondern geht einen Schritt weiter und lässt die Zeitmesser unter Extrembedingungen doppelt zertifizieren.

Nachdem sie die COSC-Zertifizierung durchlaufen haben, werden die Uhren OMEGAs seit 2015 von dem “Eidgenössischen Institut für Metrologie METAS” geprüft, um die Zertifizierung “Master Chronometer” zu erlangen. Hierbei werden den Zeitmessern acht weitere Tests in zehn Tagen auferlegt, bei denen beispielsweise die Ganggenauigkeit unter Einfluss von Magnetfeldern bis 15.000 Gauss (1.5 Tesla = Magnetfeldstärke eines normalen Magnetresonanztomographen/ MRT), verschiedenen Temperatureinflüssen, in unterschiedlichen Positionen und bei niedriger Gangreserve getestet wird.

Auch die angegebene Wasserdichtigkeit wird nochmal überprüft. Bei allen acht METAS-Test darf die Gangabweichung nur 0/+5 Sekunden pro Tag betragen. Das bedeutet, dass Master Chronometer keine Sekunde verlieren dürfen. Diese Eigenschaften verdanken die OMEGA Werke hauptsächlich der Co-Axial-Hemmung, verbunden mit der Siliziumspirale. 

Abschließend kann man nochmals resümieren: Die OMEGA-Co-Axial Hemmung reduziert die Reibung zwischen den Bauteilen, die Energie auf andere Teile übertragen. Daraus ergeben sich weniger Wartungsbedarf, eine größere Gangstabilität und die überaus hohe Präzision der Uhren über einen langen Zeitraum.