Sekundenstopp #44 - 26.07.2021

Hallo liebe Leute! Ich melde mich zurück – frisch aus dem Urlaub, gut erholt und bereit für einen neuen Abschnitt. Zunächst einmal freue ich mich wie immer, euch hier zu sehen und hoffe, ihr habt Lust auf ein paar Watchstories mitgebracht. Wir befinden uns auch in der Uhrenindustrie so langsam im Sommerloch, weswegen die News der letzten 14 Tage überschaubar geblieben sind. Das soll uns natürlich nicht daran hindern, trotzdem gemeinsam zu gucken, was Spannendes dabei war. Deswegen wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!

 

 

Das Wichtigste zuerst - Watchnews!

Auktions-Irrsinn - Die abenteuerliche Geschichte des Gregory Pau

Diesen Sekundenstopp möchte ich gerne mit einer besonderen Geschichte eröffnen. Es geht nicht um eine neue Uhr – beziehungsweise: eigentlich doch! Und genau das ist das Problem. Was war passiert?

Wie einige von euch sicherlich erinnern, kündigte Patek Philippe zu Beginn des Jahres 2021 an, ihr beliebtestes und begehrtestes Modell – die Nautilus 5711 mit blauem Blatt – einzustellen. So wolle man verhindern, dass der Traditionshersteller lediglich über ein einzelnes Modell definiert wird. Zusätzlich wolle man den Flippern („Kaufen-Wertsteigerung abwarten-Verkaufen“) ein Schnippchen schlagen. Wie viele Firmen jedoch entschloss sich auch Patek, die Einstellung dieses ikonischen Modells mit einer letzten limitierten Sonderedition zu zelebrieren. Eine Nautilus mit olivgrünem Zifferblatt wurde vorgestellt und die Wartelisten bei den Konzessionären füllten sich binnen Sekunden. Klar richtete sich diese Uhr an langjährige Sammler und Freunde der Marke und war ein letzter Gefallen und ein Zeichen der Wertschätzung eben jener seitens Patek Philippes. 

Nun trug es sich letzte Woche zu, dass im Internet Bilder kursierten. Bilder einer eben solchen olivgrünen Nautilus. Quelle der Bilder war das Auktionshaus Antiquorum. Man hätte es wissen müssen. Selbst solche besonderen Modelle, welche für exklusive Kunden vorgesehen waren, sind vor der Verlockung des schnellen (und großen) Geldes nicht gefeit. Was jedoch auffiel: Auf einem der Bilder, welches die originalen Papiere abbildete, war in der linken oberen Ecke der Name des eingetragenen Erstkäufers zu entziffern. Gregory Pau. Ebenfalls auffällig war, dass die Uhr fabrikneu verpackt war. Etwas, was Patek Philippe den Konzessionären bei Verkauf ausdrücklich untersagt, um die Chance des Weiterverkaufs als „fabrikneu“ zu unterbinden. 

Long story short: Die Uhr kam für 490.000 USD unter den Hammer. 

Dieser irrsinnige Verkaufspreis, der den originalen Preis der Uhr um mehr als das zehnfache übersteigt, erregte genug Aufsehen, um die vereinten Kräfte der Uhrenindustrie zu mobilisieren, Gregory Pau ausfindig zu machen. Den Menschen, der nun sinnbildhaft für alles stand, was Uhrenenthusiast*innen seit Jahren beklagen. Besonders erfolgreich war der Kollege des Uhrenmagazins Watchcollecting Lifestyle. Seine Recherche förderte zutage, dass Gregory Pau der Sohn einer ehemaligen Betreiberin eines Patek Philippe Geschäfts in Barcelona war. 

Aber wäre das nicht leichtsinnig? Patek würde im Falle der Erhärtung dieses Verdachts der Watch Gallery Barcelona mit hoher Wahrscheinlichkeit die Konzession entziehen. Doch daran dürften Mutter und Sohn gedacht haben. Denn einer der letzten Posts auf dem offiziellen Instagram-Profil der Watch Gallery Barcelona lautet: „Muchas gracias a nuestros clientes y amigos por estos maravillosos años juntos. The Watch Gallery ha cerrado por jubilación.“ Auf deutsch und gekürzt bedeutet dies: „Wir danken unseren Freunden und Kunden für die tollen Jahre, wir schließen das Geschäft und gehen in Rente“. Das war im Mai und wir erinnern uns, dass die olivgrüne Nautilus im April an die Konzessionäre ausgeliefert wurde. 

Wenn nun also Gregory Pau, welcher eine halbe Million mit dem Verkauf einer Armbanduhr gemacht hat, nur zufällig den Namen des Sohnes einer ehemaligen Betreiberin eines Patek Philippe Konzessionäres trägt, welcher seine Pforten nur zufällig lediglich einen Monat nach Vorstellung der Uhr geschlossen hat, dann bin ich ab heute wohl offiziell Verschwörungstheoretiker. 

Wie steht ihr zu der Geschichte? Lasst es mich wissen unter severin.giesswein@altherr.de.

Omega im All - Jeff Bezos gibt den Space Cowboy

Ganz im Sinne der Vorbilder der Nasa trug Amazon-Chef Jeff Bezos eine Omega Speedmaster auf seinem kürzlichen Weg in die Sphären. Statt seine Uhr jedoch am Handgelenk zu tragen, trug der Tech-Gigant sie über seinem Raumanzug. Schnell kursierten Memes und hämische Bilder, die den vermeintlichen „Styling-Fauxpas“ thematisierten. Was viele Menschen jedoch nicht wissen ist, dass echte Nasa-Berufsastronauten ihre Zeitmesser genau so tragen – nämlich über dem Anzug an extralangen Sicherheits-Textilbändern. Bezos zollt dieser funktionellen Tradition also Tribut, was ich persönlich sehr cool finde! Außerdem beweist er, dass er die Historie der Moonwatch kennt und schätzt. Für Bilder durfte aber natürlich der etwas alberne Texaner-Hut nicht fehlen. Howdy!

Für Tiefsee-Abenteuer bereit - Certina DS Super PH500M

Certina ist eine Marke, die wir bei Altherr enorm schätzen. Mit geballter Swatch Group - Power im Nacken liefert der Hersteller konstant tolle Qualität, einfallsreiche Designs und ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis. Beste Vorraussetzungen für eine schöne Sommeruhr. Und genau so ist es auch. Das schwarze Zifferblatt mit gewölbter Optik bietet intensive Kontraste, 43 mm lassen die Uhr sportlich-prominent sitzen, 80 h Gangreserve sie niemals stillstehen und 500 m Wasserdichtigkeit sie kein Tiefsee-Abenteuer scheuen. Geliefert wird sie an einem #tide-Natoband aus recykliertem Ozeanplastik für 860 €. HIER. 

Schon gewusst? Uhrenvokabular verständlich erklärt. Palladium.

Heute behandeln wir mal wieder einen Werkstoff. Denn mir scheint, das Jahr 2021 hat uns bisweilen bereits gezeigt, dass unkonventionelle Materialien wieder voll im Trend sind. Ob Bronze, Keramik, Meteorit oder vieles mehr – alles war bereits vertreten, was die Vorstellungen dieses Jahres anbelangt. Aber was ist denn nun eigentlich Palladium? Bei Palladium handelt es sich um ein Edelmetall und einen Werkstoff in der Uhrenindustrie. Die erste aus Palladium gefertigte Uhr datiert sich auf 2005 und stammte aus dem Hause Parmigiani Fleurier. Palladium besitzt von Natur aus eine strahlende Weisse und ist deswegen zur Veredlung nicht auf einen Überzug mit Rhodium angewiesen. Legierungen aus Palladium und Gold schaffen Weissgold, da es das Vollgold „entfärbt“. Als Werkstoff ist Palladium sehr korrosionsresistent, leichter als Platin und härter als Gold. Neben der Uhren- und Schmuckindustrie nutzt beispielsweise auch die Medizintechnik gerne Palladium. Ähnlich wie Gold kann auch Palladium zu lediglich 0,5 Mikrometer dünnen Folien ausgewalzt werden und eignet sich so als Überzug-Analog zu Blattgold. Das natürliche Vorkommen reinen Palladiums beschränkte sich weitesgehend auf Gesteine in Russland, Australien, Äthiopien, sowie Südamerika. Da diese Reinvorkommen jedoch seit langer Zeit zu großen Teilen ausgebeutet sind, wird das meiste Palladium heute aus Erzen gewönnen, welche vorwiegend in Russland und Südafrika geschürft werden.

#altherrweekendwristshot - Eure Uhren auf unser'm Blog

Der #altherrweekendwristshot kommt dieses mal von @heinlsven über Instagram. Ein sportlich-sommerliches Bild seiner Seiko 5 Sports zeigt, wie vielseitig und robust diese Zeitmesser sind. Als perfekter Einstieg in die Welt der mechanischen Uhren kann ich sie jedem wärmstens ans Herz legen. Denn jede Sammlung braucht eine Seiko! Schaut doch mal HIER.

Willst du deinen Wristshot auch mit der Community teilen? Nutze ganz einfach nächstes Wochenende unseren Hashtag; #AltherrWeekendWristshot und mach mit! Wir suchen dann unseren Favoriten aus. Viele weitere Beiträge teilen wir auf unserem Instagram-Account.

Und damit sind wir wieder einmal am Ende der heutigen Ausgabe. Ich hoffe natürlich wie immer, dass sie euch – trotz des etwas kompakteren Aufbaus – gefallen hat und ihr etwas lernen, mitnehmen oder Spannendes entdecken konntet! Ich hoffe, wir sehen uns am Mittwoch um 20:15Uhr im Altherr Livestream, wo wir gemeinsam über alles quatschen, was in der Uhrenindustrie so passiert ist. Ich freue mich auf euch und wünsche euch wie immer nur das Beste.

Bis dahin, macht’s gut

 

Euer Severin

 

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