Ohne zu tief in die Materie gehen zu wollen: Die Spannung der Spirale in der Unruh (dem Herz einer Uhr) reguliert die Bewegung der Uhrzeiger. Die Unruhspirale erzeugt dabei eine zeitlich definierte Bewegung, welche dann über das Räderwerk in die Bewegung der Zeiger umgesetzt wird. Somit ist sie eine abgewandelte Version des Pendels einer klassischen Standuhr. Damit diese kontinuierliche Schwingung aufrecht erhalten werden kann, wird die Unruh konstant über die übertragene Energie aus der Aufzugsfeder angeregt. Die Schwingung (Vibration) der Unruhspirale bestimmt massgeblich die Ganggenauigkeit einer Uhr.

 

Zur „Anatomie“ der klassischen Unruhspirale ist es wichtig zu wissen, dass es sich um eine flachgewickelte Spirale handelt, welche Energie aufnimmt und wieder abgibt. Wie bei allen Federn ist das Maß der abgegebenen Energie jedoch selten konstant. In einer Uhr ist es maßgeblich abhängig von der Spannung der Aufzugsfeder. Eine Variable, die unvermeidbar ist.

 

Diese „beinahe-Perfektion“ reicht den meisten Uhrmachern jedoch aus um eine solide Ganggenauigkeit zu erreichen. Nicht jedoch Louis Breguet. Das französische Uhrmacherwunder entwickelte im Jahre 1795 die sogenannte „Breguet Spirale“, welche statt einer letzen konzentrischen Windung das Federende über die Spirale gebogen hat. Man spricht von einem „Overcoil“. Diese simpel erscheinende Manipulation ermöglicht es der Unruhspirale ihren Drehpunkt über ein weites Spektrum an Aufzugsfederspannung hinweg konstant zu halten. So behält sie ihre Ganggenauigkeit unabhängig davon, ob die Uhr voll aufgezogen ist, oder die Gangreserve sich dem Ende neigt. Eine Overcoil-Uhruhspirale ist heutzutage das Maß der Dinge für Uhrmacher des gehobenen Luxussegments um höchste Präzision in ihren High-End Modellen zu erreichen. 

 

Was kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach und lässt sich am besten anhand von Bildern veranschaulichen. Ihr seht eine flache Spirale einer Unruh von Omega im Vergleich mit einer Overcoil-Spirale einer Uhr von Rolex.